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1. Definition und Rolle
Öle sind flüssige Schmiermittel, deren Aufgabe es ist, die Reibung zwischen den beweglichen Teilen eines Kalibers zu verringern. Im Gegensatz zu Fetten ermöglicht ihre flüssige Konsistenz, dass sie in winzigen Mengen in die sehr kleinen Zwischenräume fließen können, wie die Lagerungen, die Zapfen und die Hebungen der Hemmung. Ein falsch gewähltes oder in falscher Menge aufgetragenes Öl kann sofortige chronometrische Störungen, beschleunigten Verschleiß oder sogar eine Blockierung des Uhrwerks verursachen. Ihre Anwendung erfordert sowohl eine genaue Kenntnis der zu schmierenden Stellen als auch eine präzise Handhabung, da die dabei verwendeten Mengen in Bruchteilen von Nanolitern gemessen werden. Obwohl sie nach dem Auftragen mit bloßem Auge unsichtbar sind, spielen die Öle eine entscheidende Rolle für die Ganggenauigkeit und die Langlebigkeit eines Uhrwerks.
2. Die Viskosität, ein grundlegender Parameter
Das wichtigste Auswahlkriterium für ein Öl ist seine Viskosität, ausgedrückt in Millipascal-Sekunde (mPa·s) oder in Centistokes (cSt). Grundsätzlich nimmt die Viskosität ab, je weiter man in der kinematischen Kette des Uhrwerks voranschreitet: Man geht von relativ viskosen Schmiermitteln auf Höhe des Federhauses zu immer flüssigeren Ölen über, je näher man dem Regulierorgan kommt. Diese Abstufung ist von grundlegender Bedeutung: Ein zu viskoses Öl auf den Zapfen des Ankerrads (Hemmungsrads) würde die Schwingungen der Unruh bremsen; ein zu flüssiges Öl auf den Achsen des Räderwerks würde schnell aus den Reservoirs wandern. Die Viskosität variiert auch je nach Temperatur, was die Existenz spezifischer Formulierungen für Umgebungen mit extremen Temperaturen rechtfertigt.
3. Die synthetischen Öle (Moebius — Sortiment Synt-A-Lube Serie 9 010)
Moebius ist der führende und nahezu ausschließliche Lieferant von Schmiermitteln für die Uhrmacherei. Sein Sortiment an synthetischen Ölen deckt sämtliche Bedürfnisse eines modernen mechanischen Uhrwerks ab.
Die Serie Synt-A-Lube umfasst die feinen Universalöle, die für schnelle Triebe und für das Regulierorgan bestimmt sind. Das 9010 (Viskosität von 150 cSt) ist die Universalreferenz schlechthin: flüssig, stabil und mit ausgezeichnetem Schmiervermögen ausgestattet, eignet es sich für schnelle Triebe und für das Regulierorgan. Das 9014 (100 cSt) bietet eine mittlere Viskosität zwischen dem 9 010 und dem 9 030. Das 9015 (150 cSt) wird besonders für die Schmierung von Kunststoffkomponenten empfohlen.
4. Die synthetischen Öle (Moebius — Reihe Synta-Visco-Lube Serie 9 020)
Die Reihe Synta-Visco-Lube umfasst synthetische Öle mittlerer bis hoher Viskosität, die für langsamere Mobile und Bereiche mit höheren Druckbelastungen bestimmt sind.
Das 9020 (270 cSt) ist ideal für Mobile, die moderaten bis hohen Druckbelastungen ausgesetzt sind, dort wo das 9 010 zu flüssig wäre. Das 9024 (260 cSt) wird ebenfalls für Kunststoffe empfohlen. Das 9026 (235 cSt) enthält Molybdändisulfid (MoS₂), um die Druckbeständigkeit unter erhöhten Belastungen zu verstärken. Das 9027 (1060 cSt), sehr zähflüssig, ist langsamen Mobilen vorbehalten, die den höchsten Druckbelastungen ausgesetzt sind.
5. Die synthetischen Öle für die Hemmung (Moebius Syntescap 941)
Die Hemmung ist der heikelste Bereich eines mechanischen Uhrwerks in Bezug auf die Schmierung. Die Hebungen der Palette erfahren wiederholte Stöße mit hoher Frequenz auf dem Ankerrad (Hemmungsrad), in einem Kontakt, der Stoß, Gleiten und Reibung kombiniert.
Das 941 (Syntescap, 110 cSt) ist ein 100 % synthetisches Öl, das speziell für die Schmierung der Hebungen formuliert wurde. Sein hervorragendes Schmiervermögen und seine Alterungsbeständigkeit machen es zur unverzichtbaren Referenz für diesen kritischen Punkt des Uhrwerks. Es wird in extrem geringer Menge — einige Nanoliter — bei jeder Hebung der Paletten aufgetragen. Ein Übermaß würde durch Kapillarität sofort den Gang stören.
Es ist zu beachten, dass man, um den Isochronismus nicht zu stören, die Lagerzapfen des Ankers niemals schmiert.
6. Die Öle Microgliss und Silikone
Die Microgliss-Reihe bietet Mineral- und Mischöle für die Mikromechanik. Die Serie D (D-2 bis D-5, von 75 bis 1200 cSt) deckt ein breites Viskositätsspektrum für vielfältige Anwendungen ab, die Stabilität und Druckbeständigkeit vereinen.
Die Silikon-Öle zeichnen sich durch ihre chemische Trägheit und ihre außergewöhnliche Stabilität bei extremen Temperaturen aus. Das I-31-B (510 cSt) und das I-4 (1000 cSt) bieten verbesserte Schmiereigenschaften und profitieren zugleich von der chemischen Trägheit des Silikons. Das H-10 (11 000 cSt), extrem viskos, wird als Montagehilfe und für die Wasserdichtigkeit verwendet. Wie Silikonfette dürfen diese Öle nicht wahllos auf allen Teilen verwendet werden, da manche Materialien nicht mit Silikonen kompatibel sind.
7. Gute Anwendungspraktiken
Die Anwendung der Öle erfordert geeignete Werkzeuge: die Ölnadeln. Die Menge ist ebenso entscheidend wie die Wahl des Produkts: Ein zu großer Tropfen wandert durch Kapillarität aus dem Steinreservoir heraus, verunreinigt die umliegenden Bereiche und stört den einwandfreien Gang. Umgekehrt schützt eine unzureichende Menge die Oberflächen nicht.
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