VERZIERUNG UND FINISSIERUNG
Historisch gesehen begannen die Uhrmacher damit, die Werkplatten und dann die Brücken ihrer Uhrwerke zu verzieren, um die durch die Herstellung dieser Bauteile hinterlassenen Spuren zu mildern. Im 18. und 19. Jahrhundert erlangte die Verzierung der Uhrwerke mit dem Aufschwung der Kunsthandwerke ihren Adelsbrief (Gravur, Emaillierung, Fassen usw.).
Man spricht eher von Fertigstellung, wenn man den technischen Abschluss eines Bauteils bezeichnet (z. B. das Rollieren der Zapfen, den blockierten Poliert der Hemmungsradbrücke usw.). Obwohl oft rein dekorativer Natur, verbessern die Verzierung und die Fertigstellungen in vielen Fällen die Leistung und Langlebigkeit der Uhrwerke.
DAS ANGLIEREN
Das Anglieren ist ein manueller oder maschineller Vorgang, bei dem eine Abschrägung an der scharfen Kante zwischen zwei Flächen eines Bauteils angebracht wird. Das Anglieren verfeinert die Silhouette des Bauteils und bildet einen eleganten Kontrast zu den matten Flächen des Uhrwerks, wenn es Poliert ist.
DAS VERKLEMMEN
Das Verklemmen ist ein vorbereitender Vorgang neben anderen Verzierungs- oder sogar Fertigungsvorgängen. Sein Ziel ist es, die Bearbeitungs- oder Feilspuren vorheriger Vorgänge abzumildern. Wenn man beispielsweise die Oberfläche eines Teils feilt, hinterlassen die Bewegungen der Feile hinterlassen im Material Spuren, die entlang der Achse der Feilung ausgerichtet sind. Das Verklemmen besteht darin, die Oberfläche leicht zu feilen und dabei ständig die Achse zu wechseln. So werden die Feilspuren weniger sichtbar und die Oberfläche glatter. Dadurch spart man Zeit bei den nachfolgenden Arbeitsschritten (Satinierung, Politur, usw.).
DER KREISSCHLIFF
Wie die Satinierung und der Sonnenschliff erzeugt der Kreisschliff durch Abrieb feine Linien auf der Oberfläche der Bauteile. Beim Kreisschliff sind diese Linien kreisförmig und konzentrisch. Der Kreisschliff wird daher hauptsächlich zur Verzierung runder Bauteile verwendet (wie zum Beispiel der Kreisschliff auf der flachen Seite eines Schraubenkopfes).
DIE GENFER STREIFENE
Die Genfer Streifen dienen der Verzierung der oberen, flachen Oberflächen bestimmter Komponenten (hauptsächlich Brücken, Werkplatten, Schwungmassen und manchmal Zifferblätter). Die Genfer Streifen weisen parallele oder konzentrische „Wellen“ auf (im letzteren Fall spricht man von zirkularen Genfer Streifen). Ob handwerklich oder industriell ausgeführt, mit keiner Technik der Genfer Streifen lässt sich der Boden einer Vertiefung verzieren.
DIE EMAILLIERUNG
Die Emaillierung ist sehr oft Gegenstand von Kontroversen und Ungenauigkeiten. Auch wenn sich die Emaillierung in verschiedene Untertechniken gliedert, ist Email vor allem ein Material: eine ausgeklügelte Mischung insbesondere aus Kieselerde, Mennige, Pottasche und Soda. Die Zugabe spezifischer Oxide ermöglicht es, sehr vielfältige und klar definierte Farben zu erhalten. Das so gewonnene Pulver wird mit einem Bindemittel vermischt. Sobald es flüssig ist, kann das Email mit dem Pinsel aufgetragen werden. Das Email erhält seine Farbe, seine Transparenz und vor allem seine Härte erst nach einem Brand bei hoher Temperatur, bei dem sich das Material verglast.
DIE GRAVUR
In der Uhrmacherei kann die Gravur einen informativen oder rein dekorativen Zweck haben. Die Marke des Herstellers, die Nummer eines Kalibers oder die Anzahl der darin enthaltenen Steine gehören zu den Informationen, die heute systematisch auf einem Uhrwerk eingraviert zu finden sind. Seltener ist die Gravur (meist von Hand ausgeführt) rein ornamental gedacht. Es gibt zahlreiche Techniken (Handgravur, mechanische, chemische, Laser- oder sogar fotolithografische Gravur), die den Uhrmachern eine große Bandbreite an Ergebnissen (Qualitäten) und Kosten bieten.
DIE GUILLOCHIERUNG
Es handelt sich um eine Art von Gravur. Dabei werden dekorative Muster aus ineinander verschlungenen Linien graviert. Die Guillochierung wird von Hand ausgeführt, auf einer Guillochierdrehbank (kreisförmige Muster), auf einer geraden Linie (lineare Muster) oder auf einer Tapisserie-Drehbank (Reproduktion eines Musters)
DIE PERLUNG
Ob manuell oder maschinell, die Perlung besteht darin, eine Oberfläche mit Scheiben durch sich überlappende konzentrische Kreislinien zu verzieren. Diese Methode ist besonders nützlich, um abgesenkte Flächen (Vertiefungen) zu verzieren. Traditionell wurden die Vertiefungen in der Werkplatte und die Brücken sind perliert (mit einer Perlung verziert).
DIE POLITUR
Die Politur besteht darin, eine Oberfläche zu glätten und sie so glatt und glänzend wie möglich zu machen. Dazu wird die Oberfläche durch den aufeinanderfolgenden Einsatz von immer feineren (sanfteren) Schleifmitteln geglättet. Neben ihren dekorativen Vorzügen kann eine Politur technisch dazu beitragen, die Reibung zu verringern oder die Korrosionsbeständigkeit zu verbessern.
DAS SANDSTRAHLEN UND DAS KUGELSTRAHLEN
Beim Sandstrahlen und Kugelstrahlen werden mittels einer Düse unter Druckluft entweder Sand oder synthetische bzw. gläserne Kügelchen aufgesprüht.
In der Uhrmacherei werden das Sandstrahlen und das Kugelstrahlen hauptsächlich zu dekorativen Zwecken eingesetzt und finden sowohl bei Komponenten des Uhrwerk (Brücken, Werkplatten) als auch bei Ausstattungskomponenten (Zifferblätter, Gehäuse) angewendet werden.
DIE SATINIERUNG (Ziehen/Dehnen der Linien/Flanken)
Die Satinierung erfolgt durch Abrieb. Sie kann sowohl auf flache als auch auf konvexe oder konkave Oberflächen angewendet werden. Die durch die Satinierung entstehenden Linien sind linear und parallel. Die Satinierung wird häufig verwendet, um die senkrechten Wände eines Bauteils (also dessen Kontur) zu verzieren. Man spricht dabei üblicherweise vom „Dehnen der Flanken“.
DAS FASSEN
Das Fassen ist das Einsetzen von Steinen, die mit Krallen oder Metallrändern gehalten werden, welche über die Steine gebogen werden.
DER SONNENSCHLIFF
Wie die Satinierung erzeugt der Sonnenschliff Linien durch Abrieb auf der Oberfläche des Bauteils, auf das er angewendet wird. In diesem Fall verlaufen die entstehenden Linien nicht parallel, sondern radial. Diese Verzierung eignet sich hervorragend für Bauteile oder kreisförmige Oberflächen von Bauteilen (z. B. ein Sperrrad oder ein Kronrad). Wegen seiner schillernden Effekte sehr geschätzt, wird der Sonnenschliff auch häufig zur Verzierung der Oberfläche eines Zifferblatts verwendet.
DIE SKELETTIERUNG UND DAS DURCHBRECHEN
Diese beiden Techniken bestehen darin, Öffnungen in die massiven Oberflächen der Bauteile einzubringen. Man spricht von Durchbrechen, wenn diese Öffnungen nur teilweise an der Oberfläche vorhanden sind oder sich nur zur unteren Ebene der Bauteile hin öffnen (ein Zifferblatt durchbrochen, ein Brücke durchbrochen). Das Durchbrechen wird im Allgemeinen verwendet, um bestimmte Teile des Uhrwerks hervorzuheben. Die Skelettierung besteht darin, die Struktur des Uhrwerks maximal zu erleichtern und zu verfeinern, um ein Höchstmaß an „Transparenz“ zu erzielen. Man spricht von einem Skelettuhrwerk, wenn das Licht (soweit möglich) das Uhrwerk vollständig durchdringen kann.
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