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1. Definition

Das Anglieren ist ein manuelles oder mechanisches Verzierungsverfahren in der Uhrmacherei. Es besteht darin, die scharfe Kante zu brechen, die zwei Flächen eines Bauteils verbindet. Diese Kante wird durch eine flache Abschrägung oder ein konvex abgerundetes Profil ersetzt. Das Anglieren dient in erster Linie einem ästhetischen Zweck.

Sie kann, seltener, eine technische Funktion erfüllen, wie die Beseitigung einer scharfen Kante. Die Neigung des Winkels variiert je nach der gewünschten Ästhetik und den Anforderungen des Bauteils. Sie bleibt im Allgemeinen ausgewogen, etwa 45° für zwei Flächen, die einen rechten Winkel bilden.

2. Ästhetische Funktion

Ein poliertes Anglieren fängt das Licht ein und reflektiert es in feinen Prismen. Dieses Lichtspiel steht im Kontrast zu den satinierten oder matten Flächen, die es verbindet. Das Anglieren betont so die Konturen eines Bauteils und verfeinert seine Silhouette. Brücken, Platinen, Federn, Wippen und Räderwerke eignen sich für diese Verzierung. Eine einzige Bedingung gilt: Ihre mechanische Funktion darf dadurch nicht beeinträchtigt werden.

3. Handwerkliche Methode

Die handwerkliche Methode beruht vollständig auf der Geste des Uhrmachers. Der Winkel wird zunächst mit der Feile grob vorbearbeitet. Der Uhrmacher gleicht anschließend die Oberfläche mit Läppscheiben unterschiedlicher Körnung aus (von der gröbsten bis zur feinsten). Die abschließende Politur erfolgt mit einem aus Hartholz (meist Buchsbaumholz) geschnitzten Stäbchen, das mit Diamantpaste beladen ist. Schließlich wird der letzte Glanz meist mit einer feineren Diamantpaste erzielt, die auf ein weiches Holz (Holundermark) aufgetragen wird. Jeder Durchgang wird mit dem Auge und der Lupe kontrolliert. Diese Methode erfordert eine lange Lehrzeit und eine hohe manuelle Sensibilität. Sie bleibt hochwertigen Stücken und der handwerklichen Uhrmacherei vorbehalten.

4. Handwerkliches Anglieren (Video)

5. Halbindustrielle Methode

Manchmal unterstützen Maschinen den Uhrmacher, ohne seine Geste vollständig zu ersetzen. Schleifsteine oder Schleifscheiben, die auf einem Handwerkzeug montiert sind. Der Uhrmacher behält die Kontrolle über den angewandten Druck und die Neigung. Die abschließende Politur bleibt in der Regel manuell, um die Qualität des Reflexes zu gewährleisten. Diese Methode verbindet einen Zeitgewinn mit einem relativen ästhetischen Anspruch.

6. Industrielle Methode

In der Serienproduktion wird das Anglieren oft in die Bearbeitung auf einem CNC-Bearbeitungszentrum integriert. Ein Diamantwerkzeug schrägt die Kante im selben Zyklus wie das Fräsen des Bauteils ab. Diese Methode garantiert eine perfekte Gleichmäßigkeit zwischen den Teilen einer Serie. Die Qualität der erzielten Politur bleibt jedoch in der Regel geringer als bei einem manuellen Anglieren. Hochwertige Modelle greifen daher oft auf eine ergänzende manuelle Endbearbeitung zurück, die nach der Bearbeitung erfolgt.

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