DIE GEWINDESCHNEIDER
Sortiment an Gewindeschneidern und Gewindeschneiderhaltern
Was ist ein Gewindeschneider?
Gewindeschneider sind Schneidwerkzeuge, die dazu bestimmt sind, ein Außengewinde – also einen Schraubengang – auf dem Umfang eines zylindrischen Stabes zu formen. Sie werden durch Drehung mit Hilfe eines Gewindeschneiderhalters oder eines Windeisens verwendet, die für den Halt und den Antrieb sorgen, und ergänzen ihr inneres Gegenstück, den Gewindebohrer, der zur Herstellung von Innengewinden verwendet wird. Die geringe Größe der Uhrenbestandteile bringt Besonderheiten mit sich, die die Uhrmacher-Gewindeschneider von denen des allgemeinen Maschinenbaus unterscheiden.
Der Uhrmacher-Gewindeschneider liegt in Form einer dünnen Scheibe aus Stahl werkzeug- oder schnellarbeitsstahl, in dessen Mitte ein Gewindeloch gebohrt ist, dessen Profil dem exakten Negativ des zu reproduzierenden Gewindegangs entspricht. Mehrere radiale Spannuten — in der Regel drei oder vier — begrenzen ebenso viele Schneidkanten und erleichtern den Spänefluss. Die üblichen Durchmesser von Uhrmacher-Gewindeschneidern beginnen typischerweise bei etwa 0,30 Millimeter, einer Abmessung, bei der das bei jeder Drehbank abgetragene Material in der Größenordnung eines Mikrometers liegt und eine sehr dünnflüssige Schmierung sowie eine perfekte Ausrichtung des Schafts erfordert.
Die in der Uhrmacherei verwendeten Gewindegänge folgen branchenspezifischen, genormten Reihen, die sich von den gängigen ISO-Metrikreihen der allgemeinen Mechanik unterscheiden. Innerhalb der Normen der Schweizerischen Uhrenindustrie (NIHS) definiert die „Reihe S“ eine Reihe von Durchmesser-/Steigungspaaren, die für sehr kleine Durchmesser geeignet sind, wobei den Uhrenkomponenten Proportionen vorbehalten sind, die der Festigkeit und Stabilität der Gewindegänge zuträglicher sind. Diese Gewindegänge kommen in sämtlichen verschraubten Zusammenbauten des Kalibers zum Einsatz — insbesondere bei der Befestigung der Brücken auf der Werkplatte sowie bei der Halterung von Federn, Nocken und Hebeln.
Eine grundlegende Besonderheit der uhrmacherischen Praxis ist das nahezu vollständige Fehlen von Muttern: Die Befestigung durch Schraube erfolgt direkt zwischen der Gewindeschraube und dem gegenüberliegenden Gewindebauteil (Werkplatte, Brücke, Unruhkloben, Schwungmasse usw.). Mehrere Gründe kommen hier zusammen. Die Dicke der Bauteile bietet meist genügend Material, um eine Sacklochgewindebohrung zu realisieren, die eine ausreichende Anzahl im Eingriff befindlicher Gewindegänge gewährleistet; das Hinzufügen einer Mutter würde den Zusammenbau beschweren und verkomplizieren, um den Preis eines mit der Dichte des Uhrwerks unvereinbaren Platzbedarfs; schließlich gewährleisten die direkten Gewindebohrungen eine kontrollierte Kennzeichnung und Demontage bei Wartungsarbeiten. Der Gewindeschneider findet sich somit systematisch nicht mit einer Muttervorrichtung, sondern mit einem Gewindebohrer gepaart, der dessen Profil mitten in den Bauteilen des Kalibers reproduziert.
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