GUMMIEREN
Gummieren bezeichnet in der Uhrmacherei das vorübergehende Befestigen eines Bauteils mittels Schellack, einem natürlichen Thermoplast-Harz, das von der asiatischen Lackschildlaus Kerria lacca abgesondert wird. Um ein Teil zu gummieren — typischerweise einen Rubin einer Palette des Ankers oder den Ellipsenstift der Unruhscheibe — legt der Uhrmacher, die Uhrmacherin ein Schellackplättchen in Schuppenform auf den auf einer Heizplatte oder über der Flamme erwärmten Träger, bis das Harz schmilzt (bei etwa 65–80 °C) und zähflüssig wird. Das Teil wird dann mit der Pinzette präzise positioniert und anschließend bis zur vollständigen Abkühlung unbeweglich gehalten, wodurch die Befestigung fest wird. Diese thermoplastische Verklebung unterscheidet sich von synthetischen Klebstoffen durch ihre Reversibilität: Ein einfaches Erwärmen ermöglicht es, abzuleimen das Teil, ohne ein aggressives Lösungsmittel zu verwenden oder die Oberflächen zu beschädigen. Die verwendete Menge an Schellack muss sorgfältig dosiert werden: Ein Überschuss läuft auf die angrenzenden Oberflächen über und muss vor jeder weiteren Bearbeitung mit Isopropylalkohol entfernt werden, da sonst die Zapfen oder benachbarten Rubine verunreinigt werden. Das Gummieren bleibt trotz des Aufkommens moderner Klebstoffe eine bewährte Technik fürHemmungsreparaturen, die reversibel sind.
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