MITTAGS-NOCKEN

Der Mittags-Nocken, auch Sonnenkanone genannt, ist eine Vorrichtung, die den Durchgang der Sonne durch den Meridian, also den wahren Sonnenmittag, anzeigen soll, um zu einer Zeit, als persönliche Uhren noch unzureichend genau gingen, deren Regulierung zu ermöglichen. Er wurde Ende des 18. Jahrhunderts für den häuslichen Gebrauch erfunden und vereint auf einem Sockel ein Miniaturrohr, eine Lupe und ein Zifferblatt: Letzteres ermöglicht es, die Lupe so zu positionieren, dass im Moment des wahren Mittags das gebündelte Sonnenlicht eine kleine Pulverladung entzündet und den Schuss ohne menschliches Zutun auslöst. Ein Exemplar dieser Art schmückte bereits 1784 die Gärten des Palais-Royal in Paris. Das Prinzip wurde auch auf echte Artilleriegeschütze für zivile Zwecke angewandt: In Nizza verkündet seit 1861 ein Kanonenschuss täglich den Mittag, eine Tradition, die vom schottischen Amateurastronomen Thomas Coventry eingeführt und durch einen Gemeindebeschluss von 1885 dauerhaft festgeschrieben wurde.

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