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1. Definition und Zweck der Komplikation
Die Weltzeit ist eine bedeutende uhrmacherische Komplikation. Sie zeigt gleichzeitig die Uhrzeit in jeder der vierundzwanzig Zeitzonen an. Der Benutzer kann jede beliebige Zeitzone ohne vorherige Berechnung oder Manipulation ablesen. Diese Komplikation entstand bereits Ende des 19. Jahrhunderts mit der Einführung koordinierter Zeitzonen.
Der Genfer Uhrmacher Louis Cottier entwickelte im 20. Jahrhundert zahlreiche Mechanismen für die Weltzeit. Damit trug er maßgeblich zur Durchsetzung dieser Komplikation in der Armbanduhr bei.
Die Weltzeituhr unterscheidet sich grundlegend von der Zweizeitzonenuhr. Letztere zeigt nur zwei Uhrzeiten an, die der Benutzer manuell auswählt. Die Weltzeituhr erfasst den gesamten Globus auf einen Blick.
2. Architektur der Anzeige
Die Weltzeit besteht aus drei konzentrischen Anzeigeebenen auf dem Zifferblatt. In der Mitte wird die Ortszeit angezeigt mit den Zeiger auf einem herkömmlichen Zwölf-Stunden-Zyklus. Am Rand umgibt ein auf vierundzwanzig Stunden abgestufter Ring diesen zentralen Bereich. Ein zweiter konzentrischer Ring trägt den Namen einer repräsentativen Stadt pro Zeitzone.
Die Stadt wird aufgrund ihrer geografischen Bekanntheit und der Repräsentativität ihrer Zeitzone ausgewählt. Jede Position auf dem Städtering entspricht einer Stundenverschiebung gegenüber den benachbarten Städten. Die Kombination der beiden Ringe ermöglicht das direkte Ablesen der Uhrzeit für jede Zeitzone: Der Benutzer sucht die gewünschte Stadt und liest die Uhrzeit auf dem Vierundzwanzig-Stunden-Ring ab, ohne jegliche Berechnung.
3. Die beiden Animationsmodi
Zwei mechanische Konstruktionen ermöglichen den Antrieb der Weltzeit-Ringe; sie erzielen mit entgegengesetzten Mitteln das gleiche visuelle Ergebnis.
Modus 1 — rotierender Vierundzwanzig-Stunden-Ring, fester Städtering. Der Vierundzwanzig-Stunden-Ring vollführt eine vollständige Drehung im Uhrzeigersinn in vierundzwanzig Stunden, während der Städtering fest mit dem Zifferblatt und dreht sich nicht. Die 24-Stunden-Skala läuft an den feststehenden Städtenamen vorbei; die Zeit der gewünschten Zeitzone wird senkrecht über dem entsprechenden Städtenamen abgelesen.
Modus 2 — 24-Stunden-Ring feststehend, Städtering drehbar. Der Vierundzwanzig-Stunden-Ring ist mit dem Zifferblatt fest verbunden. Der Städtering vollzieht eine vollständige Drehung entgegen dem Uhrzeigersinn in vierundzwanzig Stunden. Die Zeit der Zeitzone wird auf dem 24-Stunden-Ring gegenüber der gewünschten Stadt abgelesen. Beide Modi liefern gleichwertige Informationen; die Wahl liegt beim Konstrukteur des Kalibers.
Modus 1
Modus 2
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4. Die Korrektur mit einem einzigen Drücker
Die Korrektur der Weltzeit kann mit einem einzigen Drücker erfolgen, der in die Mittelteil des Gehäuses. Jeder Druck verschiebt den beweglichen Ring um eine Position, also um eine Stunde. Dieser Modus ermöglicht je nach Konstruktion des Kalibers nur eine Erhöhung oder nur eine Verringerung, was für Reisende geeignet ist, die nur wenige Zeitzonen auf einmal durchqueren.
Die Korrektur erfolgt, ohne die Uhr anzuhalten oder den Gang des Uhrwerks bzw. die Regulierung der Ortszeit zu beeinträchtigen. Ein Sperrkegel-Mechanismus hält den Ring zwischen zwei aufeinanderfolgenden Druckvorgängen fest und gewährleistet die präzise Ausrichtung einer Stadt auf die Ableseposition.
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5. Die Korrektur mit zwei Drückern
Einige Kaliber bieten zwei Drücker unterschiedliche: Der erste erhöht den Wert, indem er den beweglichen Ring um eine Stunde vorwärts bewegt, der zweite verringert ihn, indem er ihn um eine Stunde zurückbewegt. Diese bidirektionale Lösung ist beim Durchqueren mehrerer Zeitzonen schneller, da so vermieden wird, dreiundzwanzig Schritte vorwärts ausführen zu müssen, um nur eine einzige Stunde zurückzugehen. Jeder Drücker betätigt einen in entgegengesetzter Richtung ausgerichteten Sperrkegel-Mechanismus, ein Sautoir gewährleistet die präzise Arretierung des Rings in jeder Stundenposition.
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6. Die Korrektur über die Krone
Die Korrektur kann auch über die Krone erfolgen, die in eine für den beweglichen Ring vorgesehene Zwischenposition gezogen wird. Je nach Konstruktion des Kalibers sind zwei Systeme möglich: die unidirektionale Korrektur, die nur die Erhöhung oder Verringerung ermöglicht, und die bidirektionale Korrektur, die beide Richtungen je nach Drehrichtung der Krone erlaubt.
Diese Lösung vermeidet das Hinzufügen von Drückern und Korrektoren im Mittelteil des Gehäuses und eignet sich für elegante Uhren, bei denen ihre Anwesenheit ästhetisch unerwünscht wäre. Zudem ermöglicht sie es, jede unbeabsichtigte Korrektur durch einen Stoß oder unerwünschten Druck auf einen Drücker vollständig zu vermeiden.
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7. Der saisonale Zeitwechsel
Die Weltzeituhr reagiert empfindlich auf den saisonalen Zeitwechsel. Die auf dem Ring eingetragenen Städte sind auf feste Abweichungen gegenüber UTC positioniert. Es kann keine Korrektur Stadt für Stadt vorgenommen werden: Der Ring ist eine einzige zusammenhängende Einheit. Der Abstand zwischen den Zeitzonen ist somit konstant und berücksichtigt nicht die unterschiedlichen Zonen, in denen saisonale Zeitwechsel angewendet werden.
Heute verfügen nur wenige Uhren über einen komplexen Mechanismus, der zwischen Winter- und Sommerzeit unterscheiden kann, doch sind sie in ihren Anzeigemöglichkeiten weiterhin eingeschränkt.
8. Kombination mit anderen Komplikationen
Die Kombination der Weltzeit mit anderen Komplikationen ist komplex, bedingt durch die Konzentrizität der Anzeigen, die die Weltzeit erfordert, sowie die notwendige Ablesbarkeit (Städte und 24-Stunden-Ring). So wird die Weltzeit eher mit einer Minutenrepetition oder einem Tourbillon kombiniert als mit einem ewigen Kalender oder einem Chronographen.
9. Geschichte und Ursprünge
Die Weltzeit-Komplikation entstand bereits Ende des 19. Jahrhunderts, im Zuge der internationalen Einführung koordinierter Zeitzonen anlässlich der Washingtoner Konferenz von 1884, die den Meridian von Greenwich als weltweite Referenz festlegte. Diese Normierung schuf das Bedürfnis, mehrere Uhrzeiten gleichzeitig auf einem einzigen Zifferblatt anzuzeigen.
Der Genfer Uhrmacher Louis Cottier entwickelte zahlreiche Weltzeit-Mechanismen und trug damit wesentlich zu ihrer Verbreitung bei den Schweizer Manufakturen bei. Die Komplikation blieb aufgrund ihrer Komplexität und der hohen Produktionskosten lange der Haute Horlogerie vorbehalten.
Ihre Verbreitung nahm ab den 1980er Jahren dank neuer Manufakturkaliber zu. Die heutige Produktion bietet diese Komplikation in unterschiedlichen Preissegmenten an. Sie bleibt ein anerkanntes Merkmal der Reise-Haute-Horlogerie, ebenso wie die Uhr mit zwei Zeitzonen.
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