DER REMONTOIR

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1. Definition und Prinzip

Der Remontoir ist ein Mechanismus, der zwischen dem Antriebsorgan und der Hemmung eingefügt ist. Seine Aufgabe besteht darin, dem Regulierorgan eine konstante und gleichmäßige Kraft zu liefern. Die Zugfeder liefert beim allmählichen Abwickeln eine abnehmende Kraft an das Zeigerwerk-Räderwerk. Diese Drehmomentschwankung wirkt sich auf den Isochronismus aus und beeinträchtigt die Genauigkeit. Der Remontoir neutralisiert diesen Effekt, indem er eine kleine sekundäre Feder (in Spiralform) in das Räderwerk einfügt. Diese sekundäre Feder wird periodisch durch die Antriebsfeder, und dann in regelmäßigen Abständen freigegeben. So erhält die Hemmung stets die Kraft einer vollständig gespannten Sekundärfeder. Der Remontoir wird zu den Präzisionskomplikationen gezählt.

2. Stellung innerhalb der Familie der Präzisionskomplikationen

Präzisionskomplikationen dienen dazu, den chronometrischen Gang eines Uhrwerks zu verbessern. Der Remontoir teilt dieses Ziel mit anderen Vorrichtungen, insbesondere dem Tourbillon. Beide Mechanismen wirken jedoch auf unterschiedliche Fehlerursachen ein. Der Tourbillon gleicht den Einfluss der Schwerkraft auf das Regulierorgan in vertikaler Position aus. Der Remontoir hingegen neutralisiert die Kraftschwankung der Zugfeder. Da diese beiden Fehlerquellen unabhängig voneinander sind, kann ein Uhrwerk beide Komplikationen kombinieren. Es ist wichtig, den Remontoir von der Konstantkrafthemmung zu unterscheiden, die auf dieselbe Ursache wirkt, aber Gegenstand eines eigenen Artikels ist.

3. Funktionsprinzip

Das Prinzip des Remontoir beruht auf der Zwischenschaltung einer Sekundärfeder, die auf das Ankerrad wirkt. Diese Feder befindet sich in der Regel zwischen dem letzten Rad des Räderwerks und dem Ankerrad (Hemmungsrad). Das Räderwerk spannt diese Sekundärfeder in regelmäßigen und festgelegten Abständen erneut. Zwischen zwei aufeinanderfolgenden Aufzügen treibt allein die Sekundärfeder über eine Kurvenscheibe die Hemmung an. Da diese Feder zu Beginn jedes Intervalls vollständig gespannt ist, ist die übertragene Kraft konstant. Der Auslöse- und Aufzugsmechanismus muss ausreichend häufig arbeiten, um wirksam zu bleiben. Ist das Intervall nämlich zu lang, entspannt sich die Sekundärfeder teilweise und führt erneut eine Kraftschwankung ein. Die Regelmäßigkeit dieses Intervalls ist somit der Schlüsselparameter des Mechanismus.

4. Die Remontoir-Feder

Die Remontoirfeder ist eines der zentralen Elemente des Mechanismus. Es handelt sich um eine kleine Feder, meist in Form einer Spirale. Ihre Steifigkeit und ihre freie Länge werden so berechnet, dass eine genau definierte Energie gespeichert wird. Eine gut kalibrierte Feder liefert über die gesamte Amplitude ihrer Freisetzung eine konstante Kraft. Die Konstruktion dieser Feder ist heikel, da sie Flexibilität und angemessene Steifigkeit miteinander vereinen muss. Einerseits muss sie sich leicht durch das Antriebsräderwerk spannen lassen. Andererseits muss sie eine ausreichende Kraft liefern, um die Hemmung gleichmäßig anzutreiben. Diese widersprüchlichen Anforderungen erfordern eine sorgfältige Wahl von Werkstoff und Geometrie.

5. Der Remontoir pro Halbschwingung

Der Remontoir pro Halbschwingung ist die schnellste Variante des Remontoirs. Er spannt die Sekundärfeder bei jeder Halbschwingung der Unruh, also bei jeder Halbschwingung. So erfolgt bei einer Unruh, die mit 4 Hz schwingt, das Wiederaufziehen achtmal pro Sekunde. Diese hohe Frequenz gewährleistet, dass sich die Sekundärfeder praktisch nie entspannt. Die an die Hemmung abgegebene Kraft ist daher äußerst stabil. Im Gegenzug ist die mechanische Komplexität dieser Art von Remontoir erheblich. Der Verriegelungs- und Auslösemechanismus muss mit absoluter Präzision bei sehr hoher Taktfrequenz funktionieren. Diese Variante ist beim Entwurf, der Herstellung und der Regulierung am anspruchsvollsten.

6. Der Sekunden-Remontoir

Der Sekunden-Remontoir arbeitet in längeren Intervallen als der Remontoir nach Halbschwingung. Der Sekunden-Remontoir löst und spannt die Sekundärfeder einmal pro Sekunde neu. Bei dieser Art von Remontoir ist die zulässige Kraftschwankung geringer, was ein längeres Intervall akzeptabel macht. In beiden Fällen äußert sich das periodische Wiederaufziehen oft durch einen sichtbaren Sprung desZeigers der Sekunden.

7. Chronometrische Vorteile

Der Hauptvorteil des Remontoir ist es, den Gang des Uhrwerks unabhängig vom Ladezustand des Zugfeder zu machen. Ohne diesen Mechanismus kann die Drehmomentschwankung zwischen einem vollen und einem leeren Federhaus mehrere Dutzend Prozent erreichen. Diese Schwankung verändert die Amplitude der Unruh und erzeugt durch die Nicht-Isochronie der Spirale eine Schwankung der Frequenz. Mit dem Remontoir bleibt die Amplitude stabil und der Tagesgang ist wesentlich gleichmäßiger. Dieser Vorteil ist besonders ausgeprägt bei Uhrwerken mit langer Gangreserve, die mit einem einzigen Federhaus ausgestattet sind. Denn je größer die Gangreserve, desto stärker erstreckt sich die Kraftschwankung des Federhauses über die Zeit.

8. Konstruktionsbedingungen

Die Konstruktion eines Remontoirs bringt mehrere spezifische technische Bedingungen mit sich. Die dem Remontoir eigenen Reibungen dürfen die Vorteile der konstanten Kraft nicht zunichtemachen. Deshalb werden die Teile des Remontoirs sorgfältig poliert und ihre Lager mit Präzision ausgeführt. Zudem muss die Sekundärfeder sorgfältig kalibriert werden, um keine erneute Kraftschwankung einzuführen. Schließlich erhöht die Hinzufügung dieses Mechanismus die Anzahl der Teile des Uhrwerks und erschwert den Zusammenbau sowie die Regulierung.

9. Entwicklung und moderne Anwendungen

Das Prinzip des Remontoirs ist seit dem 17. Jahrhundert in verschiedenen Formen bekannt. Es wurde ausgiebig in großen Präzisionsuhren und Observatoriumsregulatoren eingesetzt. Bei der Armbanduhr ist seine Umsetzung aufgrund der geringen Abmessungen des Uhrwerks schwieriger. Seit den 1990er Jahren haben sich dennoch mehrere Manufakturen der Haute Horlogerie dieser Herausforderung gestellt. Der Aufschwung von Silizium erleichterte die Miniaturisierung des Mechanismus, indem sie leichtere und in ihrer Herstellung gleichmäßigere Federn ermöglichte. Diese Entwicklungen erlaubten es, eine Komplikation, die früher Präzisionsinstrumenten vorbehalten war, auf moderne tragbare Uhren anzuwenden. Obwohl selten, ist der Remontoir so zu einer geschätzten Präzisionskomplikation geworden.

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