ENTSPANNEN
In der Uhrmacherei hat entspannen zwei unterschiedliche Bedeutungen. Im mechanischen Sinn bedeutet, eine Feder zu entspannen, sie abzuspannen, das heißt, ihr zu erlauben, allmählich in ihren Ruhezustand zurückzukehren, indem die gespeicherte Energie freigesetzt wird; so entspannt man die Zugfeder vor jedem Eingriff am Federhaus, aus Sicherheitsgründen, um ein plötzliches Lösen zu vermeiden, das den Uhrmacher, die Uhrmacherin verletzen oder das Uhrwerk beschädigen könnte. Im metallurgischen Sinn bedeutet, ein Metall zu entspannen, die inneren Spannungen zu beseitigen, die sich dort infolge mechanischer oder thermischer Beanspruchungen bei der Walzung, dem Stanzen, des Biegens oder des Härtens. Werden sie nicht beseitigt, können diese Eigenspannungen mit der Zeit zu Verformungen oder verzögerten Brüchen führen. Man beseitigt sie durch eine geeignete thermische Entspannungsbehandlung: ein bei mäßiger Temperatur durchgeführtes Spannungsarmglühen nach der Kaltverfestigung, oder ein Anlassen nach dem Härten, das das Gefüge stabilisiert, ohne die angestrebte Härtung vollständig aufzuheben. Ein Werkstück zu entspannen verleiht ihm eine bessere Maßhaltigkeit über die Zeit, eine unerlässliche Eigenschaft für Bauteile mit geringer Toleranz, wie Räder, Wellen und Zapfen eines Uhrwerks.
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