TRÄGHEIT

Die Trägheit ist die Eigenschaft eines Körpers, jeder Veränderung seines Zustands von Uhrwerk zu widerstehen. In der Uhrmacherei ist der Schlüsselbegriff das Trägheitsmoment der Unruh, das die Verteilung der Masse um die Drehachse misst. Zusammen mit der Elastizität der Spirale bestimmt das Trägheitsmoment der Unruh die Frequenz der Schwingungen und somit den Gang der Uhr: Je höher es ist, desto länger ist die Periode ist lang (geht langsamer), und umgekehrt. Die Regulierung des Gangs kann somit über die Trägheit erfolgen statt über die aktive Länge der Spirale: Man spricht von einer Unruh mit variabler Trägheit, ausgestattet mit Gewichten oder Schrauben, die am Rand der Felge angeordnet sind; sie nach innen zu schrauben verringert die Trägheit (Vorgang), sie nach außen zu bewegen erhöht sie (Nachgang). Diese periphere Regulierung, stabiler als ein Rücker, ist bei zahlreichen hochwertigen modernen Uhrwerken verbaut. Eine große Unruh mit hohem Trägheitsmoment, kombiniert mit einer kontrollierten Frequenz, begünstigt die chronometrische Stabilität, sofern das Antriebsmoment ausreicht, um sie aufrechtzuerhalten.

Historisch diente die Veränderung des Trägheitsmoments auch der thermischen Kompensation: Marinechronometer verwendeten eine bimetallische Unruh, deren Felge, an zwei Stellen durchtrennt, Gewichte trug, die sich je nach unterschiedlicher Ausdehnung der Lamellen der Achse näherten oder von ihr entfernten. Dieses Prinzip, das Ende des 18. Jahrhunderts von Arnold und Earnshaw verfeinert wurde, verlor nach der Entdeckung des Elinvars durch Charles-Édouard Guillaume (Nobelpreis für Physik 1920) an Bedeutung. In der heutigen Industrie kommen manche Kaliber sogar völlig ohne Rückerwerk aus: Die Frequenz des Unruh-Spirale-Paares wird direkt im Werk durch ein Laserverfahren eingestellt.

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